Archiv der Kategorie: Protest

Frauenrechte? Wenn sie hübsch sind, gerne!

von: Ralf Heß

Wenn eine Frau für ihre Rechte eintreten möchte, muss sie schon bereit sein, ein bisschen was dafür zu tun. Die Hüllen fallen lassen oder doch zumindest ein ansprechendes Äußeres sind für einen Großteil der Journalisten sicherlich ein guter Anfang. Denn wie soll sonst der durchschlagende Erfolg des Protestes der russischen Punkband „Pussy Riot“ gegen Zar Putin oder der ukrainischen Frauenrechtsgruppe „Femen“ gegen die Unterdrückung der Frau in Osteuropa erklärt werden. Mit einer hübschen jungen Frau hinter Gittern hat Mensch, respektive Mann, eben deutlich schneller Mitleid und der barbusige Protest gegen die sexuelle Instrumentalisierung der Frau in der Gesellschaft ist für die Presse und deren Leser oder Zuschauer auch deutlich ansprechender, als der abgehalfterte Ruf nach Gleichberechtigung einer Alice Schwarzer.

Für die politischen Anliegen von „Pussy Riot“ oder „Femen“ ist dieser altbekannte Deal mit dem „Sex Sells“ aus der Werbung sicherlich ein riesiger Vorteil und zumindest kann festgehalten werden, dass ihr Protest auf diese Weise erfolgreich weitergetragen wurde. Nebenbei jedoch wirft die Berichterstattung auch ein Schlaglicht darauf, wie Frau in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Hält sie sich an die gesellschaftlichen Konventionen, die da sagen, dass sie immer auch sexuelles Objekt sein soll, klappt´s auch besser mit der politischen Berichterstattung. Ist der Protest hübsch genug verpackt wird er eben deutlich leichter wahrgenommen.

Was passiert jedoch, wenn die Bilder verschwunden sind? Nadeschda Tolokonnikowa wäre sicherlich auch in Anstaltskleidung ein „Hingucker“ und vermutlich würden gerade solche Bilder auf das Mitleids- und Heldenzentrum der männlichen Zuschauer äußerst befördernd wirken. Möglicherweise könnte damit auch der weltweite Protest gegen die Behandlung der russischen Punkrocker am Leben erhalten werden. Und vielleicht könnte auf diese Weise auch etwas für die drei Frauen getan werden, die nun mit zwei Jahren Haft dafür bezahlen, dass sie sich gegen die herrschende Politik gestellt haben.

Allein, diese Bilder wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben, denn es ist wohl nicht zu erwarten, dass die russische Regierung der internationalen Presse die Möglichkeit zu regelmäßigen Fotoshootings mit den drei Musikerinnen geben wird. Damit jedoch ist auch zu befürchten, dass sie ebenso schnell wieder aus der Berichterstattung verschwinden werden, wie sie dort aufgetaucht sind. Was dies für die Forderungen der Band bedeutet, kann sich jeder leicht Vorstellen. Wie sich dieser Verlust der medialen Öffentlichkeit auf die drei Frauen auswirken wird, ebenso. Denn ist der weltweite Druck erst einmal weg, wird sich das auch in den Haftbedingungen der Frauen schnell niederschlagen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Femen, Feminismus, Frauenrechte, Protest, Pussy Riot, Sexismus

Wer spricht davon, dass der Interbankenmarkt austrocknet?

von: Ralf Heß

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Situation im Herbst 2008. Damals ging die amerikanische Großbank Lehman Brothers Konkurs und im Anschluss trocknete der sogenannte Interbankenmarkt aus. Diese Nachricht hat damals für deutlich hörbare Aufregung gesorgt. Denn immerhin sorgt der Interbankenmarkt für permanente Liquidität bei den Banken selbst. Das Problem damals, niemand wusste, welcher Bank überhaupt noch zu trauen war. Denn wie es sich ja gezeigt hatte beim Lehman-Konkurs, gab es Banken, die kurz vor dem Zusammenbruch standen.

Heute dagegen, zumindest wenn man einem Großteil der Presse folgt, scheint die Welt nicht ganz so furchterregend auszusehen. Zwar leidet die größte Volkswirtschaft der Welt an einer drastischen Wirtschaftskrise und auch viele europäische Staaten sehen ihrem Bankrott ins Auge. Aber offensichtlich scheint niemand einen Zusammenbruch des Interbankenmarktes zu befürchten, so wie es 2008 geschehen ist.

Warum dann allerdings derzeit die sogenannten Overnight-Zinssätze, zu denen sich Banken gegenseitig kurzfristig liquides Kapital borgen, seit Wochenbeginn um 20 Prozent angestiegen sind, ist schleierhaft. Das sei, so die „Presse.com“ aus Österreich, das höchste Niveau seit dem März, 2009. Vielleicht herrscht derzeit ja doch wieder deutlich gestiegenes Misstrauen zwischen den Banken. Denn wer weiß schon genau, was immer noch hie und da in den Büchern lauert.

Für die Presse hieße dass dann wohl: Bloß nicht darüber sprechen und schlafende Hunde wecken.

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Investmentbanker sind Kriminelle, sagt Altkanzler Helmut Schmidt

von: Ralf Heß

Gut gebrüllt, alter Löwe! Helmut Schmidt hat mal wieder allen gewaltig den Marsch geblasen. Die Deutsche Bank sei keine deutsche Bank mehr und dies sei Merkels Problem. So hat Helmut Schmidt einen Artikel von sich überschrieben, der kürzlich in der Zeit erschienenen ist. Angesichts der Dinge, die in den vergangenen drei Jahren an die Öffentlichkeit geraten sind, sicherlich eine wahre Feststellung. Interessant an dieser Sache ist allerdings nicht, dass Helmut Schmidt in seiner unnachahmlichen Weise mal wieder auf den Tisch gehauen und der Politik die Leviten gelesen hat. Denn dies tut er in schöner Regelmäßigkeit. Interessant an seinem Artikel ist vielmehr, welche impliziten Schlussfolgerungen er diesmal aus seiner Analyse der gesellschaftlichen Zustände zieht. Denn ganz offensichtlich stellt er sich die Frage, warum nicht zumindest Teile der Elite dieses Landes entweder vor Gericht gestellt oder anderweitig entmachtet werden. Eine Frage, die seit einiger Zeit zwar gelegentlich aufgeworfen wird – allerdings seltener bislang von deutschen Ex-Kanzlern.

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Wer sind die Empörten?

von: Ralf Heß

Empörte in Spanien | © Ojo Espejo

Der Süden probt die Rebellion. Südlich der Alpen, zwischen Lissabon und Athen tobt ein immer heftiger geführter Aufstand gegen die Regierungen. Die Demonstrationen laufen dabei immer nach dem gleichen Muster ab. Zunächst versammelt sich ein Häufchen unzufriedener auf irgend einem öffentlichen Platz. Wenige Tage darauf liefert sich eine deutlich angeschwollene Menge an Demonstranten immer brutaler werdende Straßenschlachten mit der Polizei. Letztendlich versucht ein Mopp das Parlament zu stürmen, um auf diese Art und Weise die Regierung abzusetzen. Im immer zu heißen Südeuropa probt also eine mit viel zu viel Temperament ausgestattete Gruppe junger und alter, verbeamtete und nicht verbeamteten, selbständiger, angestellter und arbeitsloser Empörter einen immer gleichen Aufstand, gegen immer gleiche Probleme mit immer gleichen Forderungen. Allein der Norden bleibt ruhig und zurückhaltend.

Manch einem ist diese typisch nordeuropäische Gemütshaltung zu wenig revolutionär. Andere dagegen sehen gerade darin den Schlüssel dafür, dass es eben den Süden Europas getroffen hat und nicht den Norden bei dieser Finanzkrise. Aber auf jeden Fall sind sich alle darüber einig, dass sich dieser Aufstand auf den Süden beschränkt und der Norden gelassen daneben steht. Allein, bei genauerem Hinsehen löst sich diese Interpretation sehr schnell in Luft auf.

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