Archiv der Kategorie: Finanzkrise

Die erstaunlichen Einsichten des letzten Konservativen

Maggie Thatcher stellte eine Nation auf den Knien wieder auf die Füße | © marcus_jb1973

von: Ralf Heß

Seit sich der Dax in rasanter Abfahrt der magischen Untergrenze von 5.000 Punkten nähert, steht dem konservativen Lager kollektiver Angstschweiß auf die Stirn geschrieben. Das leise Gefühl, in den vergangenen Jahren irgendwie auf das falsche Pferd gesetzt zu haben, schallt immer lauter durch den konservativen deutschen Blätterwald. Nun zeigt sich für Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, dass seine vor 20 Jahre begonnene Dinnerparty zu einem abrupten Ende kommen könnte. Denn: auch der kapitalistische Westen kann Bankrott gehen. Für die Konservativen wird immer klarer: Wenn in Großbritannien Horden von Jugendlicher die Geschäfte plündern, kann das Gesellschaftssystem nicht so glänzend funktionieren, wie es über Jahre hinweg von ihnen in die Welt hinaus posaunt wurde.

Einzig Jan Fleischhauer, konservativer Kolumnist beim Spiegel, scheint noch die schwarze Fahne vor sich her tragen zu wollen und ein wenig beeindruckend ist es schon, wie er seinen Kollegen im Geiste die Leviten ließt und sich selbst dabei, die Sache einigermaßen schön redet.

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Wer spricht davon, dass der Interbankenmarkt austrocknet?

von: Ralf Heß

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Situation im Herbst 2008. Damals ging die amerikanische Großbank Lehman Brothers Konkurs und im Anschluss trocknete der sogenannte Interbankenmarkt aus. Diese Nachricht hat damals für deutlich hörbare Aufregung gesorgt. Denn immerhin sorgt der Interbankenmarkt für permanente Liquidität bei den Banken selbst. Das Problem damals, niemand wusste, welcher Bank überhaupt noch zu trauen war. Denn wie es sich ja gezeigt hatte beim Lehman-Konkurs, gab es Banken, die kurz vor dem Zusammenbruch standen.

Heute dagegen, zumindest wenn man einem Großteil der Presse folgt, scheint die Welt nicht ganz so furchterregend auszusehen. Zwar leidet die größte Volkswirtschaft der Welt an einer drastischen Wirtschaftskrise und auch viele europäische Staaten sehen ihrem Bankrott ins Auge. Aber offensichtlich scheint niemand einen Zusammenbruch des Interbankenmarktes zu befürchten, so wie es 2008 geschehen ist.

Warum dann allerdings derzeit die sogenannten Overnight-Zinssätze, zu denen sich Banken gegenseitig kurzfristig liquides Kapital borgen, seit Wochenbeginn um 20 Prozent angestiegen sind, ist schleierhaft. Das sei, so die „Presse.com“ aus Österreich, das höchste Niveau seit dem März, 2009. Vielleicht herrscht derzeit ja doch wieder deutlich gestiegenes Misstrauen zwischen den Banken. Denn wer weiß schon genau, was immer noch hie und da in den Büchern lauert.

Für die Presse hieße dass dann wohl: Bloß nicht darüber sprechen und schlafende Hunde wecken.

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Wir wissen von jeder Kuh auf der Weide..

von: Ralf Heß

…aber nicht, wer welches Geschäft gegen wen laufen hat“. Ein Interview mit Börsenhändler Dirk Müller über die Spekulation mit Lebensmitteln.

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Die SPD bietet Merkel ihre Mitarbeit an. Aber wer macht dann eigentlich Opposition?

von: Ralf Heß

Endlich beginnt das große Aufbäumen in der SPD. Über Monate und Jahre hinweg dümpelte die älteste Partei Deutschlands von einem Tief zum nächsten. Auch der Wahlsieg in Baden-Württemberg konnte nicht darüber hinwegtäuschen: Die SPD schien an ihrem historischen Ende angekommen zu sein. Nun allerdings regt sich etwas in der ehemals größten Partei Deutschlands. In einem Brief an die Kanzlerin boten die führenden Genossen Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück der Kanzlerin der Zögerer und Zauderer ihre Mitarbeit bei der Bewältigung der Euro-Krise an. Die SPD sei breit, so die Drei, Verantwortung zu übernehmen, parlamentarisch, als auch politisch; sofern der Kanzlerin im kommenden Herbst die eigene Mehrheit fehlen sollte. Denn klar sei, so Gabriel und die Stones, auf den Bürger kämen enorme Belastungen zu, die sicher Zorn erregen würden.

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Investmentbanker sind Kriminelle, sagt Altkanzler Helmut Schmidt

von: Ralf Heß

Gut gebrüllt, alter Löwe! Helmut Schmidt hat mal wieder allen gewaltig den Marsch geblasen. Die Deutsche Bank sei keine deutsche Bank mehr und dies sei Merkels Problem. So hat Helmut Schmidt einen Artikel von sich überschrieben, der kürzlich in der Zeit erschienenen ist. Angesichts der Dinge, die in den vergangenen drei Jahren an die Öffentlichkeit geraten sind, sicherlich eine wahre Feststellung. Interessant an dieser Sache ist allerdings nicht, dass Helmut Schmidt in seiner unnachahmlichen Weise mal wieder auf den Tisch gehauen und der Politik die Leviten gelesen hat. Denn dies tut er in schöner Regelmäßigkeit. Interessant an seinem Artikel ist vielmehr, welche impliziten Schlussfolgerungen er diesmal aus seiner Analyse der gesellschaftlichen Zustände zieht. Denn ganz offensichtlich stellt er sich die Frage, warum nicht zumindest Teile der Elite dieses Landes entweder vor Gericht gestellt oder anderweitig entmachtet werden. Eine Frage, die seit einiger Zeit zwar gelegentlich aufgeworfen wird – allerdings seltener bislang von deutschen Ex-Kanzlern.

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Wer sind die Empörten?

von: Ralf Heß

Empörte in Spanien | © Ojo Espejo

Der Süden probt die Rebellion. Südlich der Alpen, zwischen Lissabon und Athen tobt ein immer heftiger geführter Aufstand gegen die Regierungen. Die Demonstrationen laufen dabei immer nach dem gleichen Muster ab. Zunächst versammelt sich ein Häufchen unzufriedener auf irgend einem öffentlichen Platz. Wenige Tage darauf liefert sich eine deutlich angeschwollene Menge an Demonstranten immer brutaler werdende Straßenschlachten mit der Polizei. Letztendlich versucht ein Mopp das Parlament zu stürmen, um auf diese Art und Weise die Regierung abzusetzen. Im immer zu heißen Südeuropa probt also eine mit viel zu viel Temperament ausgestattete Gruppe junger und alter, verbeamtete und nicht verbeamteten, selbständiger, angestellter und arbeitsloser Empörter einen immer gleichen Aufstand, gegen immer gleiche Probleme mit immer gleichen Forderungen. Allein der Norden bleibt ruhig und zurückhaltend.

Manch einem ist diese typisch nordeuropäische Gemütshaltung zu wenig revolutionär. Andere dagegen sehen gerade darin den Schlüssel dafür, dass es eben den Süden Europas getroffen hat und nicht den Norden bei dieser Finanzkrise. Aber auf jeden Fall sind sich alle darüber einig, dass sich dieser Aufstand auf den Süden beschränkt und der Norden gelassen daneben steht. Allein, bei genauerem Hinsehen löst sich diese Interpretation sehr schnell in Luft auf.

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Wohin bloß mit den griechischen Schulden?

von Ralf Heß

© Odysseas Gp | "Gebt uns zurück, was ihr von uns gestohlen habt. Die Bürger von Ymittos"

Wenn die Sonne unter geht, dieser Tage über Griechenland, tut sie das mit sorgenvoller Schwere. Griechenland ist bankrott. Während griechische Rentner, Beamte und Studenten fast täglich auf den Straßen Athens gegen das finanziellen Spardiktat der sogenannten Troika demonstrieren, versucht die sozialistische Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou die finanziell unangenehme Angelegenheit irgendwie aus der Welt zu schaffen. Zusammen mit dem Internationalem Währungsfond (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Union (EU) versucht die griechische Regierung derzeit nahezu alles, um einen Zahlungsausfall bei den Staatsanleihen weiter hinauszuzögern.

Für die privaten Investoren, die über die vergangenen Jahre immense Gewinne mit den Staatsanleihen einfahren konnten, war die Situation nicht ganz ungefährlich. Denn immer wieder wurden Vorschläge laut, privaten Investoren an der Sanierung der griechischen Finanzen zu beteiligen. Bundesfinanzminister Schäuble hatte mit aller Kraft versucht eine Lösung durchzusetzen, die die privaten Investoren mit einbeziehen würde. Die zuvor privatisierten Gewinne sollten nicht wieder durch eine Verstaatlichung der Verluste abgesichert werden. Nun ist klar, Schäuble ist gescheitert.

Denn zum Glück für die privaten Investoren gab es die französische Regierung. So sagte der französische Haushaltsminister, Francois Baroin, nach einer Kabinettssitzung: „Die französische Linie war bislang die Ablehnung einer Umschuldung Griechenlands und wir weichen nicht von dieser Linie ab, egal welche Bedingungen vorgeschlagen werden“. Auch die französische Finanzministerin, Christine Lagarde, mochte von einer Umschuldung griechischer Staatsanleihen nichts wissen. Sarkozy hat sich in den Verhandlungen über das neue Finanzpaket für die griechische Regierung durchgesetzt. Private Investoren können sich nun an dem Paket beteiligen, allerdings auf einer rein freiwilligen Basis. Gehen wir einmal davon aus, der Ansturm wird sich in Grenzen halten.

Für den französischen Präsidenten und vor allem die französischen Banken, die einen großen Anteil griechischer Staatstitel in ihren Büchern führen ist dies ein großer Erfolg. Bis 2014 wird ein Großteil der griechischen Staatsanleihen ausgelaufen sein. Danach werden die Schulden in den Büchern der EZB und der EU-Mitgliedsstaaten stehen. Ob Griechenland dann noch in der EU sein wird, wird sich zeigen. Für Banken und Versicherungen wird das dann allerdings kein Problem mehr sein.

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