Wer sind die Empörten?

Empörte in Stuttgart | © Visual.rebellion

Unter diesen Umständen kann die Frage gestellt werden, findet hier eigentlich etwas zusammen oder trennt sich das, was kürzlich erst zusammengebunden wurde in der Europäischen Union? Sind die Griechen wie wir, oder richtet sich unser Zorn gegen sie? Wie stehen wir zu den Franzosen und den Spaniern, hinsichtlich der Auseinandersetzungen über die Hilfszahlungen in Europa? Wie steht Griechenland zu Deutschland und wo sieht sich Frankreich in der Union? Neben Deutschland oder darüber? Sind die europäischen Völker also in der Lagen -außerhalb ihrer kleinlichen nationalen Vorstellungen! – einen gemeinsamen Widerstand zu organisieren und damit etwas zu schaffen, von dem frühere Politiker gerne in Sonntagsreden fabuliert haben? Können die Europäer, als ein gemeinsames Volk – wie auch immer sich dies dann definieren sollte – gegen ihre Regierungen in den nationalen Hauptstädten und die Regierung in Brüssel stellen und dabei erfolgreich sein? Oder fallen sie zurück in ihre althergebrachten, durch nationalistische Stereotypen geformte Sichtweisen über die ständig strammstehenden Deutschen oder die ewig faulen Griechen?

Die Frage, die sich derzeit auf den Straßen und Plätzen Europas stellt ist nicht nur die nach einer Lösung für die jeweiligen größeren oder kleineren Probleme. Es geht eben nicht nur um eine Lösung für die Stabilität des Euros oder des griechischen Haushaltes. Genauso, wie Stuttgart21 nur ein regionales Problem war, anhand dessen sich ein europaweiter Missstand darstellen ließe, sind auch die spanischen arbeitslosen Jugendlichen nur ein Teil des selben Problems. Es geht um die Verteilung des europäischen Wohlstandes! Dabei geht es genauso um Nord und Süd, wie es um oben und unten geht. Europa ist mitten in einer Verteilungskrise und die Völker und Gesellschaften haben gerade erst begonnen sich mit einander auseinander zu setzen. Möglicherweise sehen wir gerade die Entstehung eines gesamteuropäischen Volkes, das beginnt sich eine wirkliche europäische Regierung zu geben. Möglicherweise jedoch sehen wir auch den Anfang vom Ende eines bis hierher guten Projektes, der europäischen Vereinigung.

Wohin sich die Union, in ihrer bald 60-jährigen Geschichte hinwenden wird, hängt auch und insbesondere von der weiteren Entwicklung und Vernetzung der einzelnen nationalen Gruppen ab. Nur wenn die griechischen Protestanten, ebenso wie die deutschen Empörten erkennen, dass eben nicht der jeweils andere das Problem ist, kann es für die gesamten Probleme eine zukunftsfähige Lösung geben. Richten sich die Nationen und Gruppen jedoch erneut gegeneinander, wird die Union auseinander fallen, noch bevor sie wirklich errichtet war.

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