Wohin bloß mit den griechischen Schulden?

von Ralf Heß

© Odysseas Gp | "Gebt uns zurück, was ihr von uns gestohlen habt. Die Bürger von Ymittos"

Wenn die Sonne unter geht, dieser Tage über Griechenland, tut sie das mit sorgenvoller Schwere. Griechenland ist bankrott. Während griechische Rentner, Beamte und Studenten fast täglich auf den Straßen Athens gegen das finanziellen Spardiktat der sogenannten Troika demonstrieren, versucht die sozialistische Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou die finanziell unangenehme Angelegenheit irgendwie aus der Welt zu schaffen. Zusammen mit dem Internationalem Währungsfond (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Union (EU) versucht die griechische Regierung derzeit nahezu alles, um einen Zahlungsausfall bei den Staatsanleihen weiter hinauszuzögern.

Für die privaten Investoren, die über die vergangenen Jahre immense Gewinne mit den Staatsanleihen einfahren konnten, war die Situation nicht ganz ungefährlich. Denn immer wieder wurden Vorschläge laut, privaten Investoren an der Sanierung der griechischen Finanzen zu beteiligen. Bundesfinanzminister Schäuble hatte mit aller Kraft versucht eine Lösung durchzusetzen, die die privaten Investoren mit einbeziehen würde. Die zuvor privatisierten Gewinne sollten nicht wieder durch eine Verstaatlichung der Verluste abgesichert werden. Nun ist klar, Schäuble ist gescheitert.

Denn zum Glück für die privaten Investoren gab es die französische Regierung. So sagte der französische Haushaltsminister, Francois Baroin, nach einer Kabinettssitzung: „Die französische Linie war bislang die Ablehnung einer Umschuldung Griechenlands und wir weichen nicht von dieser Linie ab, egal welche Bedingungen vorgeschlagen werden“. Auch die französische Finanzministerin, Christine Lagarde, mochte von einer Umschuldung griechischer Staatsanleihen nichts wissen. Sarkozy hat sich in den Verhandlungen über das neue Finanzpaket für die griechische Regierung durchgesetzt. Private Investoren können sich nun an dem Paket beteiligen, allerdings auf einer rein freiwilligen Basis. Gehen wir einmal davon aus, der Ansturm wird sich in Grenzen halten.

Für den französischen Präsidenten und vor allem die französischen Banken, die einen großen Anteil griechischer Staatstitel in ihren Büchern führen ist dies ein großer Erfolg. Bis 2014 wird ein Großteil der griechischen Staatsanleihen ausgelaufen sein. Danach werden die Schulden in den Büchern der EZB und der EU-Mitgliedsstaaten stehen. Ob Griechenland dann noch in der EU sein wird, wird sich zeigen. Für Banken und Versicherungen wird das dann allerdings kein Problem mehr sein.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Finanzkrise, Griechenland, Neoliberalismus, Wirtschaft

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s