Wer wird die griechischen Schulden bezahlen?

von: Ralf Heß

© Mainbube / Patrick Meier

Unter Griechenlands Geldgebern geht die Panik um. Es wird immer klarer, dass das Land im Südosten Europas seine angehäuften Schulden nicht begleichen können wird. Stellt sich nun die Frage: Wer kommt letztendlich dafür auf?

Bereits seit längerem versuchen europäische Banken, Versicherungen und Pensionsfonds ihren Bestand an griechischen Bonds zu verringern. Das in den Büchern der europäischer Finanzinstitute stehende Volumen liegt derzeit bei etwa 170 Mrd. €. Momentan sind die Papiere allerdings so gut wie unverkäuflich. Auch eine Kreditausfallversicherung (CDS) stellt in der derzeitigen Situation für die Finanzinstitute keine Alternative dar. Der Preis für CDS´ hat sich in der jüngeren Vergangenheit deutlich erhöht. So stieg eine fünfjährige CDS auf griechische Staatsanleihen um 28 Basispunkte auf 1330 Zähler. Damit kostet es 1,33 Mio. € griechische Schulden in Höhe von 10 Mio. € versichern zu lassen. Außerdem wäre es derzeit wohl utopisch anzunehmen, dass irgend eine Versicherung eine Wette annähme, bei der sie auf die Rückzahlung der Schulden durch den griechischen Staat setzen müsste.

Allein deutsche Banken sind nach einem Bericht des Handelsblattes mit etwa 19 Mrd. € involviert. Für viele Banken könne damit ein Alptraum wahr werden, sagte ein Investmentbanker gegenüber der Zeitung. Ein anderer Bankenberater sagte: „Ein Finanzvorstand hat mir noch im April gesagt, ich sei ein kompletter Idiot, weil ich keine dieser Anleihen kaufe“. Offensichtlich sind noch vor kurzer Zeit weitere Banken in das Geschäft eingestiegen, in der Hoffnung auf fette Gewinne.

Für die bereits seit längerem angeschlagene NordLB scheint die Sache allerdings jetzt abgeschlossen zu sein. In ihrem ersten Quartalsbericht 2011 schrieb die Landesbank: „Der Nord/LB-Konzern hält einen Schuldenschnitt auf griechische Staatsschulden für wahrscheinlich und hat im Berichtszeitraum hierfür Vorsorge getroffen“. Damit ist die NordLB das erste Institut, was bilanzielle Konsequenzen aus der verfahrenen Situation in Griechenland zieht.

Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, spricht sich derweil für einen „freiwilligen Rückkauf“ der griechischen Staatstitel aus. So sagte er in Frankfurt, dass er eine freiwillige Beteiligung privater Investoren für eine elegante Lösung des Problems halte. „Denkbar wäre, dass man Investoren mit großem Abschlag griechische Staatsanleihen abkauft und diese dann gegen
niedrigere neue Anleihen tauscht, die durch den Rettungsschirm gedeckt sind“. Eine zwangsweise Umschuldung hielte er für fatal und führe zu einer breiten Verunsicherung an den Kapitalmärkten.

Die Schwierigkeiten für die Besitzer griechischer Staatsanleihen werden immer größer. Damit spitzt sich auch der Streit zwischen der Politik und den Finanzinstituten zu. Denn klar ist, niemand aus der Finanzbranche möchte für den Schaden selbst aufkommen. Viel eleganter ist da die Lösung, sich den ansonsten unverkäuflichen Kram einfach von der Politik abnehmen zu lassen.

In verschiedenen Banken – unter anderem der EZB – wird derzeit über eine solche Möglichkeit nachgedacht. So steht derzeit eine Variante zur Diskussion, dem griechischen Staat bis Ende 2013 mit entsprechenden Krediten über die Runden zu helfen. Athen könnte so zumindest noch bis dahin seine Schulden bedienen. Zu diesem Zeitpunkt dann wären etwa ein drittel der Anleihen zurück bezahlt und ein großer Teil der privaten Geldgeber damit aus dem Schneider. Allerdings lägen die Schulden dann entweder beim IWF oder bei der EU. Zumindest jedoch nicht mehr bei Banken, Versicherungen und Pensionsfonds. Derzeit wird zwischen Politik und Finanzinstituten noch gestritten, wie das griechische Problem letztendlich gelöst werden kann. Dass dabei mit Sicherheit erneut ein großer Teil der Schulden von den Staaten übernommen werden muss, ist heute schon klar. Denn wie immer gilt auch hier die Losung: Too big to fail!

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Eingeordnet unter Finanzkrise, Griechenland, Neoliberalismus, Wirtschaft

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