Wie man es dreht und wendet, Griechenland ist bankrott

von: Ralf Heß

© polanri

Griechenland war lange Zeit eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Bekannt war das Land durch seine schönen Küsten und die uralte Kultur. Vor allem jedoch durch seine lieben Menschen. Gastfreundlich seien sie und nicht so stur, wie die Deutschen. Auch könnten sie Fünfe einmal gerade sein lassen. Sie würden nicht immer den ganzen Tag nur an Arbeit denken. Vielmehr sei ihnen ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zu ihren Familien und Freunden wichtig. So zumindest haben es die deutschen Touristen begeistert den daheim gebliebenen erzählt, nachdem sie von ihrem Sommerurlaub irgendwo auf der Peloponnes oder auf Korfu in den heimischen Ruhrpott oder den Bayerischen Wald zurück gekehrt waren. Die anschließende Empfehlung selbst einmal in dieses wunderschöne und gemütliche Land zu reisen war obligatorisch für jeden.

Heute sieht die Sache völlig anders aus. Denn Griechenland ist bankrott. Derzeit beträgt die Staatsverschuldung in absoluten Zahlen über 354 Mrd. €. Dies entspricht 153% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der griechischen Wirtschaft. Das bedeutet, dass jeder Grieche Schulden in Höhe von 29.000 € hat. Demgegenüber stehen Steuermindereinnahmen von derzeit 9,1 % in den ersten vier Monaten diesen Jahres gegenüber dem Vorjahr. Die daraus entstehende Deckungslücke der griechischen Steuereinnahmen liegt bei 2 Mrd. € und wird aller Wahrscheinlichkeit nach Ende des Jahres bei etwa 6 Mrd. € liegen.

Trotzdem hält die Politik die Illusion aufrecht, dass die griechische Bevölkerung nur genügend Druck bräuchte um sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Vorbei sind damit die Zeiten, in denen der sich in Urlaubsstimmung befindliche Deutsche, dem griechischen Müßiggänger alles verzieh. Vielmehr wird nun genauer hingesehen. Ob dieser Grieche, der gerade in einem Straßencafe eine kleine Pause macht, diese kleine Auszeit vielleicht mit deutschen Steuergeldern finanziert bekommt – man weiß es nicht? Auch stellt sich für den ein oder anderen deutschen Touristen dieser Tage die Frage, ob das Glas Wein in der gemütlichen Taverne nicht vielleicht vom Wirt selbst bezahlt werden sollte. Immerhin hat dieser Faulpelz doch bereits genug überwiesen bekommen, damit er direkt nach der Geburt bereits wieder in Rente gehen kann. „Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig“, so die Kanzlerin kürzlich in einem Interview. Ganz offensichtlich glaubt sie, die Griechen müssten sich nur genügend anstrengen und dann würde die griechische Wirtschaft aus eigener Kraft wieder anspringen.

Auch bei praktischen Lösungsvorschlägen für die finanzielle Misere lässt sich der reiche Norden derzeit nicht Lumpen. Sollten zunächst nur ein paar griechischen Inseln verkauft werden, geht es nun um alles. Nahezu der gesamte griechische Staatsbesitz soll auf dem freien Markt zu Geld gemacht werden. Die Geschätzte Summe, die damit angeblich erwirtschaftet werden könnte, liegt bei 300 Mrd. €. Damit bliebe dem griechischen Staat noch 50 Mrd. € Schulden übrig und das Problem wäre erledigt. So zumindest die Theorie. Wer jedoch das griechische Staatsvermögen derzeit für eine solche Summe aufkaufen soll, bleibt, wie auch beim vorgeschlagenen Verkauf griechischer Inseln, unklar.

Klar wird jedoch immer mehr, dass das griechische Problem weder durch immer mehr Druck und Griechenbashing beseitigt werden kann, noch durch irgendwelche finanzpolitischen Schnellschüsse. Der griechische Bankrott ist derzeit nicht mehr abzuwenden. Die Leistungsfähigkeit der griechischen Wirtschaft kann in absehbarer Zeit nicht so erhöht werden, dass die Unternehmen in die Lage versetzt wären, die aufgehäuften Schulden abzutragen. Damit bleiben jedoch nur zwei Lösungen übrig. Entweder Griechenland tritt aus der Euro-Zone aus oder der reiche Norden Europas steht für die Schulden mit ein. Teuer wird es allemal. Bei einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone könnte das Land innerhalb kürzester Zeit seine Schulden, die sich mehrheitlich bei deutschen Banken befinden, nicht mehr bedienen. Damit würde eine ganze Reihe deutscher Geldinstitute, allen voran die deutsche Bank durch ihre Tochter die Postbank, in den Strudel mit hineingezogen werden. Bleibt Griechenland in der Eurozone , müssen die reicheren Staaten im Norden über eine Transferunion den griechischen Staat über die kommenden Jahre unterstützen, bis die Schulden auf ein erträgliches Maß abgebaut sind.

Bislang hat sich in der Politik nur noch niemand finden lassen, der bereit ist der Bevölkerung die bittere Wahrheit offen zu sagen. Und so lange dies so bleibt wird es wohl weiter gehen mit der unerträglichen Arroganz des Nordens und dem dort immer beliebter werdenden Griechenbashing.

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Eingeordnet unter Deutsche Bank, Finanzkrise, Griechenland, Neoliberalismus, Wirtschaft

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