Über die Mär, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten

von: Ralf Heß

Wenn der Mindestlohn kommt, geht die Welt unter. Dann werden sich alle deutschen Unternehmen auf den Weg nach China machen und ihrer hiesigen Belegschaft traurig – aber nötig – den Rücken kehren müssen. Das Land wird verarmen und am Ende werden wir alle verhungert sein oder ebenfalls ausgewandert. Die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), das Propagandaorgan der Metall- und Elektroarbeitgeber, sieht sogar Zusammenhänge zwischen den Aufständen Jugendlicher in Frankreichs Vorstädten und der kurz zuvor durchgeführten Erhöhung des Mindestlohnes. Nachdem der französische Mindestlohn um ein fünftel erhöht worden sei, stieg die Jugendarbeitslosigkeit ebenfalls und führte in der Folge zu Krawallen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Auch Großbritannien führt die INSM als Negativbeispiel für einen Mindestlohn an. An diesem Beispiel könne jeder sehen, dass ein Mindestlohn, einmal eingeführt nicht mehr zu bremsen sei. In Großbritannien sei der Mindestlohn sogar schneller gestiegen, als der Durchschnittslohn. Lag der Mindestlohn bei seiner Einführung noch bei 35% des Durchschnittseinkommens, hatte er sich nur vier Jahre später auf bereits 40% hochgearbeitet.

Für die Arbeitgeber ist die Sache damit klar. Mindestlöhne schaden der gesamten Volkswirtschaft und gefährden die wirtschaftliche Zukunft aller. Die US-Universität Berkeley legt nun eine Studie vor, in der über 16 Jahre hinweg die Auswirkungen des Mindestlohnes in den USA untersucht werden. Der entscheidende neue Ansatz liegt darin, dass erstmals in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander liegende Counties in den USA verglichen werden, in denen unterschiedlich hohe Mindestlöhne gezahlt werden müssen. In den untersuchten Counties klaffen die Mindestlöhne teilweise um bis zu 20% auseinander. Es läge damit auf der Hand, dass die Counties mit einem niedrigeren Mindestlohn einen ebenso niedrigere Arbeitslosenquote haben sollten. Insbesondere dann, wenn die günstigere Nachbarschaft so nahe liegt. Das Ergebnis der Untersuchung haben die Forscher in eine kurze Formel gebracht: „Unsere Schätzergebnisse für die lokalen Beschäftigungseffekte sind nicht unterscheidbar von null“. Bedeutet: Mindestlöhne haben keinen Einfluss auf die Schaffung oder Vernichtung von Arbeitsplätzen. Ihr Einfluss beschränkt sich ausschließlich auf den Geldbeutel des Arbeitgebers (weniger) und des Arbeitnehmers (mehr).

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

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