Monatsarchiv: Mai 2011

Wie man es dreht und wendet, Griechenland ist bankrott

von: Ralf Heß

© polanri

Griechenland war lange Zeit eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Bekannt war das Land durch seine schönen Küsten und die uralte Kultur. Vor allem jedoch durch seine lieben Menschen. Gastfreundlich seien sie und nicht so stur, wie die Deutschen. Auch könnten sie Fünfe einmal gerade sein lassen. Sie würden nicht immer den ganzen Tag nur an Arbeit denken. Vielmehr sei ihnen ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zu ihren Familien und Freunden wichtig. So zumindest haben es die deutschen Touristen begeistert den daheim gebliebenen erzählt, nachdem sie von ihrem Sommerurlaub irgendwo auf der Peloponnes oder auf Korfu in den heimischen Ruhrpott oder den Bayerischen Wald zurück gekehrt waren. Die anschließende Empfehlung selbst einmal in dieses wunderschöne und gemütliche Land zu reisen war obligatorisch für jeden.

Heute sieht die Sache völlig anders aus. Denn Griechenland ist bankrott. Derzeit beträgt die Staatsverschuldung in absoluten Zahlen über 354 Mrd. €. Dies entspricht 153% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der griechischen Wirtschaft. Das bedeutet, dass jeder Grieche Schulden in Höhe von 29.000 € hat. Demgegenüber stehen Steuermindereinnahmen von derzeit 9,1 % in den ersten vier Monaten diesen Jahres gegenüber dem Vorjahr. Die daraus entstehende Deckungslücke der griechischen Steuereinnahmen liegt bei 2 Mrd. € und wird aller Wahrscheinlichkeit nach Ende des Jahres bei etwa 6 Mrd. € liegen.

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Wie der Historiker Niall Ferguson zu einem geschichtsvergessenen Neoliberalen wurde

von: Ralf Heß | mit Material von Weissgarnix

Historiker gehen bisweilen gehörig auf die Nerven. Das liegt zum einen darin begründet, dass sie nichts vergessen. Und zum anderen, dass sie am liebsten stundenlang darüber diskutieren. Immer wieder müssen sie daher in Gesprächen erfahren, dass ihre ollen Kamellen inzwischen doch nun wirklich viel zu lange her seien und damit auch schon lange nicht mehr relevant. Der bekannte britische Historiker Niall Ferguson scheint sich dieses Problems nur all zu bewusst zu sein. Denn in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ über die Verschuldung der USA offenbart er ein Defizit an historischer Analysefähigkeit, das nur dadurch erklärt werden kann, dass er wohl niemanden mit der ollen Kamellen der Reaganomics belästigen wollte.

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Die Deutsche Bank – und kein Ende der Gier

Von Ralf Heß

© Wecand

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Die neuesten Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft gegen die Deutsche Bank (DB) offenbaren immer mehr, von welcher Hybris das Institut befallen ist. Es wird immer deutlicher, dass die Deutschbanker bereit sind für die eigene Rendite jegliche juristischen Grenzen zu ignorieren. Derzeit ist das Institut in den Schlagzeile, weil bei dem ehemaligen Tochterunternehmen MortgageIT über Jahre hinweg systematisch die Risiken der vergebenen Immobilienhypotheken verheimlicht wurden. MortgageIT wurde 2006 von der DB aufgekauft, um durch das Unternehmen größere Synergieeffekte im Geschäft mit Immobilienkrediten in den USA zu erzeugen. Phil Weingord, damaliger DB-Geschäftsbereichsleiter Global Markets in Amerika, sagte 2007 über den Deal: „Der Erwerb eines erstklassigen Immobilienfinanzierers wie MortgageIT passt hervorragend zu unserer Strategie“.

Wie sich nun herausstellte hat MortgageIT die Berichte eines externen Prüfungsunternehmens über die außerordentlich hohen Risiken der Kreditnehmer in einem Schrank verschwinden lassen, um auf diese Weise an Bürgschaften der US-Regierung für etwaige ausfallende Kredite zu gelangen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen Betrug vor und fordert von der DB eine Mrd. US-$ zurück.

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Auslese am Küchentisch

Von: Ralf Heß

Nach Erkenntnissen der Stuttgarter Universität Hohenheim können Kinder mit den derzeitigen Hartz-IV-Sätzen nur mangelhaft ernährt werden. Nicht nur die ­gesundheitlichen, sondern auch die sozialen Auswirkungen sind beträchtlich.

„Das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern ist das Untergewicht“, lautet ein bekannter Spruch von Thilo Sarrazin. Und er hat Recht damit. Kinder aus Hartz-IV-Familien sind besonders häufig übergewichtig. Zur Lösung des Problems erstellte Sarrazin bekanntlich einen eigenen Speiseplan für die Unterschicht. Kartoffelsalat mit Würstchen spielte darin eine wichtige Rolle.

Was für wohlhabende Familien eine beliebte Speise auf dem Buffet eines Kindergeburtstags ist, führt bei anderen Kindern jedoch zu Mangel­ernährung. Nach Erkenntnissen von Hans Konrad Biesalski, Professor für Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim in Stuttgart und Sprecher des dortigen Sachverständigenbeirats für Ernährungsinformation, muss ein Teil der Bevölkerung ohne die empfohlene Menge einiger wichtiger Nährstoffe auskommen. „Kinder aus armen Familien sind doppelt so häufig krank und übergewichtig. Langfristig begünstigt das Fehlen von Mikronährstoffen die Entwicklung chronischer Erkrankungen“, sagt Biesalski.

Weiter in der Jungle-World

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Über die Mär, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten

von: Ralf Heß

Wenn der Mindestlohn kommt, geht die Welt unter. Dann werden sich alle deutschen Unternehmen auf den Weg nach China machen und ihrer hiesigen Belegschaft traurig – aber nötig – den Rücken kehren müssen. Das Land wird verarmen und am Ende werden wir alle verhungert sein oder ebenfalls ausgewandert. Die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), das Propagandaorgan der Metall- und Elektroarbeitgeber, sieht sogar Zusammenhänge zwischen den Aufständen Jugendlicher in Frankreichs Vorstädten und der kurz zuvor durchgeführten Erhöhung des Mindestlohnes. Nachdem der französische Mindestlohn um ein fünftel erhöht worden sei, stieg die Jugendarbeitslosigkeit ebenfalls und führte in der Folge zu Krawallen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Auch Großbritannien führt die INSM als Negativbeispiel für einen Mindestlohn an. An diesem Beispiel könne jeder sehen, dass ein Mindestlohn, einmal eingeführt nicht mehr zu bremsen sei. In Großbritannien sei der Mindestlohn sogar schneller gestiegen, als der Durchschnittslohn. Lag der Mindestlohn bei seiner Einführung noch bei 35% des Durchschnittseinkommens, hatte er sich nur vier Jahre später auf bereits 40% hochgearbeitet.

Für die Arbeitgeber ist die Sache damit klar. Mindestlöhne schaden der gesamten Volkswirtschaft und gefährden die wirtschaftliche Zukunft aller. Die US-Universität Berkeley legt nun eine Studie vor, in der über 16 Jahre hinweg die Auswirkungen des Mindestlohnes in den USA untersucht werden. Der entscheidende neue Ansatz liegt darin, dass erstmals in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander liegende Counties in den USA verglichen werden, in denen unterschiedlich hohe Mindestlöhne gezahlt werden müssen. In den untersuchten Counties klaffen die Mindestlöhne teilweise um bis zu 20% auseinander. Es läge damit auf der Hand, dass die Counties mit einem niedrigeren Mindestlohn einen ebenso niedrigere Arbeitslosenquote haben sollten. Insbesondere dann, wenn die günstigere Nachbarschaft so nahe liegt. Das Ergebnis der Untersuchung haben die Forscher in eine kurze Formel gebracht: „Unsere Schätzergebnisse für die lokalen Beschäftigungseffekte sind nicht unterscheidbar von null“. Bedeutet: Mindestlöhne haben keinen Einfluss auf die Schaffung oder Vernichtung von Arbeitsplätzen. Ihr Einfluss beschränkt sich ausschließlich auf den Geldbeutel des Arbeitgebers (weniger) und des Arbeitnehmers (mehr).

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

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