Jetzt muss die NATO die Schuld übernehmen

von: Ralf Heß

Die Erfolglosigkeit in Libyen zeigt ihre ersten Spuren. Frankreich und Großbritannien verlieren ihre Lust an der Befreiung des libyschen Volkes. In den vergangenen Tagen und Wochen haben die Flugzeuge der beiden europäischen Großmächte immer wieder Angriffe auf die Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi geflogen. Nun zeigt sich jedoch, ohne den Einsatz von Bodentruppen oder einer massiven Aufrüstung der Rebellen, wird der Aufstand kaum erfolgreich sein.

Die Kritik an der Kriegsführung der Koalition wird indes immer lauter. Sie kommt jedoch nicht aus dem Lager der ehemaligen Kriegsgegner. Vielmehr klagen die Staaten über die misslungene Strategie der NATO, die den Einsatz gegen Gaddafi unbedingt wollten und sogar bereit waren einzugreifen, ohne eine Unterstützung des westlichen Bündnisses. Der britische Außenminister, William Hague zeigt sich in Luxemburg nicht sonderlich zufrieden mit dem Einsatz der NATO. Viel sei erreicht worden, aber viel gäbe es noch zu tun, so Hague. Auch der französische Außenminister, Alain Juppe, zeigte öffentliches Unbehagen über die vormals noch unerwünschte Einmischung des Bündnisses. So sagte er dem Radiosender France Info, dass die NATO ihrer Rolle nicht ausreichend gerecht werde. „Die Nato wollte die militärische Führung der Operationen übernehmen, wir haben das akzeptiert. Jetzt muss sie ihre Rolle erfüllen.“ so Juppe.

Ein netter Vorwurf und ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Schließlich wurde die NATO nur mit ins Boot geholt, um der Aktion mehr militärische Durchschlagskraft und zusätzliche internationale Legitimation zu geben. Nicht jedoch, um am Ende eines verlorenen Krieges ein offenes Hintertürchen zu sein und einen, im politischen Ansehen verlustfreien Ausstieg aus dem Libyenkrieg zu ermöglichen. Doch ganz offensichtlich soll die NATO nun genau diese Aufgabe übernehmen. London und Paris scheinen nicht länger bereit zu sein den Einsatz zu führen. Nachdem sich bereits die USA aus den Kampfhandlungen zurückgezogen haben, scheint sich nun auch in den europäischen Hauptstädten die Einsicht durchzusetzen, dass der Krieg gegen Gaddafi kaum noch zu gewinnen ist. Offensichtlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die letzten Flugzeuge der Koalition wieder in die Heimat zurückkehren.

Wie es mit den libyschen Rebellen dann weitergehen wird ist völlig unklar. Sie werden den Angriffen Gaddafis kaum lange stand halten können. Der Versuch Gaddafis in Friedensverhandlungen mit dem Westen und den Rebellen einzutreten ist nicht mehr, als eine geschickte Strategie, die Auseinandersetzung zeitlich so in die Länge zu ziehen, bis die letzten Flugzeuge abgezogen sind und die Rebellen dann mit keiner weiteren Unterstützung mehr rechnen können. Dann wird Gaddafi unweigerlich die Rechnung für den Aufstand präsentieren. Die Schuld an seiner Rache, wird jedoch nicht Frankreich und Großbritannien angelastet werden, sondern vielmehr der NATO. Denn sie war es doch, die von Anfang an nicht ausreichend zum Schutz der libyschen Aufständischen beigetragen hat.

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Eingeordnet unter Außenpolitik, Lybien

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