Die sichersten AKWs der Welt und das verdammte Restrisiko

von: Ralf Heß

Japan droht eine Katastrophe unbekannten Ausmaßes. Nicht nur, dass das Land eines der stärkste Erdbeben erleben musste. Der darauf folgenden Tsunami spülte die Städte und Siedlungen mit sich und machte die Region dem Erdboden gleich. Jetzt droht zu allem Überfluss auch noch ein GAU im AKW Fukushima. Denn es zeigt sich mehr und mehr, dass die Reaktoren außer Kontrolle geraten sind. Wie die Situation vor Ort und ob ein Austritt von Radioaktivität aus dem Kraftwerke noch aufzuhalten ist, ist derzeit völlig unklar.

Dabei stehen die Reaktoren nicht in irgend einem Land der Dritten Welt, wo die Kontrolle der Sicherheitsmaßnahmen nur unzureichend durchgeführt worden wären. Auch sowjetischer oder kommunistischer Schlendrian kann diesmal nicht als Grund für die drohende Katastrophe herbei geredet werden. Diesmal ist es das allseits beschworene Restrisiko, das jeder auch noch so neue und dem höchsten

Sicherheitsstandart genügende Reaktor in sich trägt. Die japanischen Kraftwerksbetreiber hatten schlicht das Pech, dass all jene Umstände an einem Ort und zum gleichen Zeitpunkt zusammen kamen, die nach statistischer Erwartung nicht zusammen kommen hätten dürfen. Wer kann schon damit rechnen, dass die Erde mit dieser Stärke bebt? Wer kann damit rechnen, dass anschließend die Stromversorgung für die Kühlung zusammenbricht? Und wer kann damit rechnen, dass ein Tsunami, die für diese Fälle vorhandene Notstromversorgung zerstört? Die Gefahr, dass all diese zusammen kommt, war nahezu Null.

Was könnten nun die Folgen dieses statistisch nahezu unmöglichen Falles sein? Gehen wir vom statistisch nahezu Unmöglichen aus. Das AKW könnte explodieren und damit beginnen unkontrolliert Radioaktivität in die Atmosphäre abzugeben. Anschließend könnte der Wind drehen und die verseuchte Wolke Richtung Tokio treiben. Dort könnte die Stadt mit ihren über 30 Mio. Einwohnern so stark verseucht werden, dass sich Millionen Menschen auf die Flucht begeben müssten. An eine Rückkehr wäre möglicherweise nicht mehr zu denken, denn die Region wäre eventuell auf unabsehbare Zeit unbewohnbar. Das schlimmste aller Szenarien, also. Ein solcher Fall sollte eigentlich nicht eintreten und vermutlich wird er es auch nicht.

Denn das statistische Restrisiko dafür ist kaum noch vorhanden. Auf der Grundlage dieses beschriebenen, fast nicht mehr vorhandenen Restrisikos, werden folgerichtig weltweit Atomkraftwerke betrieben und die Bevölkerung damit beruhigt, dass sich niemand ernsthafte Gedanken darüber machen müsse, was passieren könnte. Wie das Beispiel Fukushima jedoch nun zeigt, auch ein Restrisiko ist im Falle der Fälle ein sehr reales Risiko. Statistisch betrachtet ist schon die derzeitige Situation kaum noch wahrscheinlich. Trotzdem ist sie aller statistischen Berechnung zum Trotz eingetreten. Dem gegenüber jedoch ist die Gefahr, die von diesem völlig unwahrscheinlichen Fall ausgeht, so gewaltig, dass ein Unfall schlichtweg nicht passieren darf. Ein Restrisiko, auch wenn es nahezu Null liegt, ist dafür deutlich zu hoch.

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