»Leistung muss sich wieder lohnen« – aber nicht für Leiharbeiter

von: Ralf Heß

Im fairen Wettbewerb kann jeder, der gute Leistung bringt, auch gute Ergebnisse bekommen. Das greift auch einen Satz von Guido Westerwelle auf: »Leistung muss sich wieder lohnen.« Bei unfairer Konkurrenz gewinnt dagegen nicht derjenige, der gute Leistung zeigt, sondern derjenige, der in der Lage ist, seine Vorteile zu optimieren.

(Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie in seiner Eröffnungsrede zur Konferenz „Die Ethik der Sozialen Marktwirtschaft: vertrauen – Regeln – Wettbewerb“ am 07.02.2012 in Berlin, gemeinsam veranstaltet vom Bundesministerium für Wirtschaft und dem Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik.)

Mit einem fairen Lohn für Arbeit ist es immer so eine Sache. Da erhält der eine für das Halten einer hübschen Sonntagsrede mehrere Tausend Euro und der andere für den Wachdienst an einer U-Bahn-Station am Ende des Monats nur mehrere Hundert. Da bekommt der eine Automobilbauer für das Anschrauben der Fahrertür an einen BMW am Ende des Monats das üppige Gehalt der Automobilbranche und der andere wird mit dem durchschnittlichen Hungerlohn der Leihunternehmen abgespeist. Dass sich »Leistung dabei wieder lohnen soll« ist sicherlich ein ehrenvolles Anliegen der deutschen Liberalen. Dass das System allerdings so, wie es sich FDP-Parteifunktionäre bei eben diesen Sonntagsreden gerne vorstellen, nicht funktioniert, steht dabei auf einem völlig anderen Blatt.

Laut dem »Schwarzbuch Leiharbeit«, das die IG Metall im März 2012 herausgegeben hat, hat sich die Zahl der Leiharbeiter in den Jahren zwischen 2004 und 2011 von 326.000 auf 910.000 gesteigert. Eine Zahl, die sich durchaus sehen lassen kann, insbesondere, wer sich die Arbeitslosenzahlen vor der Reform vor Augen hält. Es kann also durchaus festgehalten werden, Leiharbeit hat – zumindest dies – Jobs geschaffen und damit für den ein oder anderen auch eine Perspektive eröffnet.

Für das liberale und bürgerliche Lager ist das System der Leiharbeit damit sicherlich ein Erfolg. Inwiefern dabei jedoch der immer wieder zitierte Grundsatz »Leistung soll sich wieder lohnen« einfließt, bleibt ungeklärt. Denn neben den Erfolgen des Leiharbeitssystems bei der Bewältigung der Arbeitslosigkeit aus den Vor-Hartz-IV-Reformtagen, muss auch immer wieder festgestellt werden, dass gerade die besondere Leistung der Leiharbeiter dabei keine Berücksichtigung findet.

Dass die Angestellten eines Unternehmens unterschiedlich bezahlt werden, ist innerhalb eines marktwirtschaftlichen Systems nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist allerdings die Veränderung der Leistungsdefinition, auf deren Grundlage diese unterschiedliche Bezahlung gerechtfertigt wird.

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Mehr muss dazu nicht gesagt werden!

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Frauenrechte? Wenn sie hübsch sind, gerne!

von: Ralf Heß

Wenn eine Frau für ihre Rechte eintreten möchte, muss sie schon bereit sein, ein bisschen was dafür zu tun. Die Hüllen fallen lassen oder doch zumindest ein ansprechendes Äußeres sind für einen Großteil der Journalisten sicherlich ein guter Anfang. Denn wie soll sonst der durchschlagende Erfolg des Protestes der russischen Punkband „Pussy Riot“ gegen Zar Putin oder der ukrainischen Frauenrechtsgruppe „Femen“ gegen die Unterdrückung der Frau in Osteuropa erklärt werden. Mit einer hübschen jungen Frau hinter Gittern hat Mensch, respektive Mann, eben deutlich schneller Mitleid und der barbusige Protest gegen die sexuelle Instrumentalisierung der Frau in der Gesellschaft ist für die Presse und deren Leser oder Zuschauer auch deutlich ansprechender, als der abgehalfterte Ruf nach Gleichberechtigung einer Alice Schwarzer.

Für die politischen Anliegen von „Pussy Riot“ oder „Femen“ ist dieser altbekannte Deal mit dem „Sex Sells“ aus der Werbung sicherlich ein riesiger Vorteil und zumindest kann festgehalten werden, dass ihr Protest auf diese Weise erfolgreich weitergetragen wurde. Nebenbei jedoch wirft die Berichterstattung auch ein Schlaglicht darauf, wie Frau in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Hält sie sich an die gesellschaftlichen Konventionen, die da sagen, dass sie immer auch sexuelles Objekt sein soll, klappt´s auch besser mit der politischen Berichterstattung. Ist der Protest hübsch genug verpackt wird er eben deutlich leichter wahrgenommen.

Was passiert jedoch, wenn die Bilder verschwunden sind? Nadeschda Tolokonnikowa wäre sicherlich auch in Anstaltskleidung ein „Hingucker“ und vermutlich würden gerade solche Bilder auf das Mitleids- und Heldenzentrum der männlichen Zuschauer äußerst befördernd wirken. Möglicherweise könnte damit auch der weltweite Protest gegen die Behandlung der russischen Punkrocker am Leben erhalten werden. Und vielleicht könnte auf diese Weise auch etwas für die drei Frauen getan werden, die nun mit zwei Jahren Haft dafür bezahlen, dass sie sich gegen die herrschende Politik gestellt haben.

Allein, diese Bilder wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben, denn es ist wohl nicht zu erwarten, dass die russische Regierung der internationalen Presse die Möglichkeit zu regelmäßigen Fotoshootings mit den drei Musikerinnen geben wird. Damit jedoch ist auch zu befürchten, dass sie ebenso schnell wieder aus der Berichterstattung verschwinden werden, wie sie dort aufgetaucht sind. Was dies für die Forderungen der Band bedeutet, kann sich jeder leicht Vorstellen. Wie sich dieser Verlust der medialen Öffentlichkeit auf die drei Frauen auswirken wird, ebenso. Denn ist der weltweite Druck erst einmal weg, wird sich das auch in den Haftbedingungen der Frauen schnell niederschlagen.

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Die Welt wäre eine bessere, wenn doch nur alle Arbeitnehmer Zeitarbeiter wären

Wer nicht arbeiten will, kann ja Besen verkaufen

Wer nicht arbeiten will, kann ja Besen verkaufen

von: Ralf Heß

Die Boston Consulting Group hat eine Studie veröffentlicht, in der die Zeitarbeit als das ultimative Mittel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze dargestellt wird. Für die Arbeitgeber in der Branche ist diese Veröffentlichung die ideale Argumentation für die laufenden Tarifverhandlungen.

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„Sie werden es nicht wagen, irgendwelche Verträge zu ändern“

Wüste bei Sirte | © Space & Light/Flickr

von: Ralf Heß

Die libysche Bevölkerung und der Rest der Welt plagt derzeit noch die große Frage, wo der ehemalige Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi steckt. Unterdessen sind die Führer der Anti-Gaddafi-Allianz schon deutlich weiter. Hinter den Fassaden haben bereits die ersten Verhandlungen begonnen, wie jetzt die reichen Ölvorkommen aufgeteilt werden sollen.

Nicht nur zwischen den libyschen Stämmen geht dabei die Sorge um, einen zu kleinen Anteil an der Beute zu erhalten. Auch die Alliierten der Libyschen Nationalen Befreiungsarmee, Frankreich, Großbritannien und Italien wollen sich ihren Anteil an den reichlich vorhandenen Ölvorkommen sichern. Nie weit weg, wenn es was zu holen gibt, folgen China und Deutschland. Denn auch wenn sich diese beiden Staaten während der Kämpfe sehr zurückhaltend verhalten haben und sich insbesondere die Enthaltung der Deutschen im UN-Sicherheitsrat in der jetzigen Situation als äußerst kontraproduktiv erwiesen hat, wollen beiden selbstverständlich nicht leer ausgehen.

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Die erstaunlichen Einsichten des letzten Konservativen

Maggie Thatcher stellte eine Nation auf den Knien wieder auf die Füße | © marcus_jb1973

von: Ralf Heß

Seit sich der Dax in rasanter Abfahrt der magischen Untergrenze von 5.000 Punkten nähert, steht dem konservativen Lager kollektiver Angstschweiß auf die Stirn geschrieben. Das leise Gefühl, in den vergangenen Jahren irgendwie auf das falsche Pferd gesetzt zu haben, schallt immer lauter durch den konservativen deutschen Blätterwald. Nun zeigt sich für Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, dass seine vor 20 Jahre begonnene Dinnerparty zu einem abrupten Ende kommen könnte. Denn: auch der kapitalistische Westen kann Bankrott gehen. Für die Konservativen wird immer klarer: Wenn in Großbritannien Horden von Jugendlicher die Geschäfte plündern, kann das Gesellschaftssystem nicht so glänzend funktionieren, wie es über Jahre hinweg von ihnen in die Welt hinaus posaunt wurde.

Einzig Jan Fleischhauer, konservativer Kolumnist beim Spiegel, scheint noch die schwarze Fahne vor sich her tragen zu wollen und ein wenig beeindruckend ist es schon, wie er seinen Kollegen im Geiste die Leviten ließt und sich selbst dabei, die Sache einigermaßen schön redet.

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Wer spricht davon, dass der Interbankenmarkt austrocknet?

von: Ralf Heß

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Situation im Herbst 2008. Damals ging die amerikanische Großbank Lehman Brothers Konkurs und im Anschluss trocknete der sogenannte Interbankenmarkt aus. Diese Nachricht hat damals für deutlich hörbare Aufregung gesorgt. Denn immerhin sorgt der Interbankenmarkt für permanente Liquidität bei den Banken selbst. Das Problem damals, niemand wusste, welcher Bank überhaupt noch zu trauen war. Denn wie es sich ja gezeigt hatte beim Lehman-Konkurs, gab es Banken, die kurz vor dem Zusammenbruch standen.

Heute dagegen, zumindest wenn man einem Großteil der Presse folgt, scheint die Welt nicht ganz so furchterregend auszusehen. Zwar leidet die größte Volkswirtschaft der Welt an einer drastischen Wirtschaftskrise und auch viele europäische Staaten sehen ihrem Bankrott ins Auge. Aber offensichtlich scheint niemand einen Zusammenbruch des Interbankenmarktes zu befürchten, so wie es 2008 geschehen ist.

Warum dann allerdings derzeit die sogenannten Overnight-Zinssätze, zu denen sich Banken gegenseitig kurzfristig liquides Kapital borgen, seit Wochenbeginn um 20 Prozent angestiegen sind, ist schleierhaft. Das sei, so die „Presse.com“ aus Österreich, das höchste Niveau seit dem März, 2009. Vielleicht herrscht derzeit ja doch wieder deutlich gestiegenes Misstrauen zwischen den Banken. Denn wer weiß schon genau, was immer noch hie und da in den Büchern lauert.

Für die Presse hieße dass dann wohl: Bloß nicht darüber sprechen und schlafende Hunde wecken.

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